radio96acht Bonn : Videoüberwachung bei Klausur
22.02.2012
Campus

Videoüberwachung bei Klausur

Kameraüberwachung während Klausuren? Die Uni Rostock ist nicht begeistert.

 

Wir werden überwacht, wo immer wir uns im öffentlichen Raum bewegen. In Flughäfen, Bahnhöfen und Banken, in Kaufhäusern und im Supermarkt. Warum also die moderne Technik nicht auch an der Universität nutzen? So mag sich Kurt Frischmuth, 56, Professor für Mathematik an der Uni Rostock, gefragt haben. Er filmte seine Studenten während der Prüfung. Kurt Frischmuth arbeitet seit 28 Jahren an der Universität und ist seit 20 Jahren für die Grundkursklausur Mathematik im Studiengang Wirtschaftswissenschaften zuständig. Dennoch wusste er nicht, dass es Bestimmungen über den Einsatz von Kameras gibt, die die Überwachung durch Videokameras an der Universität Rostock grundsätzlich verbieten. Er habe die Kamera schon öfter eingesetzt. Bisher habe es keine Beschwerden gegeben. Auch jetzt schien keinem Studenten die Überwachung an sich zu stören. Nur eine Studentin wendete sich nach der Klausur per Mail an das Studienbüro und beschwerte sich über die Piepgeräusche der Kameras. Sie habe sich nicht konzentrieren können.
 
Prüfungsbetrug verhindern
 
Frischmuth sagte er habe mit der Kamera Prüfungsbetrug verhindern wollen. Klar: bei 118 Studenten in einem riesigen Hörsaal muss man den Überblick behalten. Die Studenten wurden für die Klausur in vier verschiedene Aufgabengruppen eingeteilt, durften aber persönliche Unterlagen und Computer zum Rechnen nutzen. Die Professoren seien dazu da, um die Kommunikation zwischen den Studenten zu verhindern. Während der Klausur saßen die Professoren hinter den Studenten, dabei wurden die Bilder auf eine Leinwand im Hörsaal projiziert, sodass sowohl Professoren als auch Studenten das Bild sehen konnten. Das ist natürlich eindeutig bequemer als die Studenten bei Gängen durch die Reihen zu kontrollieren. Die Uni Rostock sieht in dieser Nutzung der Kameras jedoch eindeutig einen Missbrauchsversuch. Die Kameras seien zur Verbesserung der Lehre gedacht, nicht zu Überwachung der Studenten. Dies soll demnächst auch in der Prüfungsordnung vermerkt werden. Frischmuth erklärte zu seiner Verteidigung, dass nichts aufgezeichnet oder gar ins Internet gestellt worden sei. Außerdem legte er einen Nachholtermin fest. In Zukunft will er seine Studenten nicht mehr per Video überwachen, sondern lieber persönlich durch die Reihen gehen.

Marita Braeker

Reporterin

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Universität Wien
Superteaser:
Frank Homann
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Uni Bonn