radio96acht Bonn : Auf dem Weg nach ganz oben...
03.09.2010
Musik

Auf dem Weg nach ganz oben...

Stone Sour - die nächste Stadionband?

Vier lange Jahre musste man sich als Stone Sour Fan gedulden. Jetzt scheint die Band mit dem neuen Album "Audio Secrecy" auch dem Airplay-Durchbruch einen wesentlichen Schritt näher gekommen und setzt dazu auf eine gute Mischung aus Melodie und Riffs. Viele sehen das Quintett bereits in den Fußstapfen von Übergrößen wie Metallica. 

18 Jahre ist es mittlerweile schon her, dass Corey Taylor die Band gründete. Damals, 1992 nahm die Band in Des Moines, Iowa ihr erstes Demotape auf und absolvierte etliche Club-Gigs, um die lokale Bevölkerung von straighter, ehrlicher Rockmusik zu überzeugen. Daraufhin stieß auch Gitarrist James Root hinzu, mit dem Taylor zudem seit über zehn Jahren parallel in der Band Slipknot aktiv ist. Mitte der Neunziger wurde es dann still um die Band, sodass sich Taylor und Root mehr und mehr der Zweitband Slipknot, welche Stone Sour übrigens wenig später völlig den Rang ablaufen sollte, widmeten. Im Jahr 1999 schaffte Slipknot mit Taylor als Sänger als erste Band des Death-Metal-Undergrounds den kommerziellen Durchbruch. Zwei Jahre später stieg der Nachfolger des Debuts sogar an die Spitze der britischen Albumcharts, woraus ausverkaufte Tourneen durch große Arenen resultierten.

Dann, kurz nach der Jahrtausendwende, trat Stone Sour-Gitarrist Josh Rand mit einer aufgrund des Erfolgs von Slipknot absolut geringen Erwartungshaltung an Taylor heran und stellte ihm ein weiteres Demo vor - Stone Sour wurde reaktiviert. Das erste, mit "Stone Sour" schlicht selbstbetitelte Album der Band erschien 2002 und profitierte insbesondere von Corey Taylor, der nun auch außerhalb der Szene nicht mehr unbekannt war. Das Debüt fiel düster und äußerst rifflastig aus, zumal der Sänger seine Death-Einflüsse von Slipknot zumindest teilweise auch übertragen hatte, obwohl davon in den Gründerjahren Stone Sours absolut noch nichts zu hören war. Das Album erschien somit jedem abseits der Szene mehr als unzugänglich. Als einziger Lichtblick, jedoch als erster Achtungserfolg erwies sich die Ballade "Bother", welche im selben Jahr bis auf Platz 2 der Billboard-Rock-Charts kletterte.

"Come What(ever) May"

Was folgte, war wiederum ein weiteres Album von Slipknot, die sich seitdem zyklisch mit Stone Sour abwechseln. Diese konnten ihre Machtposition mit dem Album "Vol. 3 - The Subliminal Verses" tatsächlich auch auf dem für Hard-Rock- und Metalbands bisweilen unzugänglichen deutschen Markt weiter ausbauen. Im Jahr 2006, nachdem der Hype um Slipknot wieder etwas abgeflacht war, legten Stone Sour mit dem zweiten Album "Come What(ever) May" nach und entkamen hiermit endgültig dem großen Schatten der bis dato erfolgreicheren Schwesterband. Mit "Come What(ever) May" fanden die Musiker erstmals auch eine für Radio- und Fernsehsender attraktive Mischung aus geradlinigen Gitarren und einprägsamen Melodien. Nichtsdestotrotz kamen auch Anhänger der härteren Gangart nicht zu kurz. Die kompositorisch bemerkenswerte Entwicklung hinterließ auch Spuren hinsichtlich des Gesangs. Dieser fiel wesentlich klarer und abwechslungsreicher aus, als noch auf dem Debüt vier Jahre zuvor, sodass letztendlich die Fachpresse mit der Single "Through Glass" zum ersten Mal nicht mehr nur von einem "Song mit Hitfaktor", sondern von einem wirklichen "Hit" sprach, der weltweit - auch in Deutschland - in die Charts einstieg.

"Audio Secrecy"

Wie üblich war 2008 wieder Slipknot am Zug. Von einem wegen der gleichen Besetzung an Gesang und Rhythmus-Gitarre nichtmöglichen parallelen Aktivsein beider Bands einmal abgesehen, interessiert dieser Aspekt jedoch kaum noch jemanden, da die Wege im Endeffekt in zu unterschiedliche Richtungen führten.  Stone Sour hat sich schlichtweg profiliert und steht Slipknot in nichts mehr nach - ganz im Gegenteil. Schließlich bekräftigt Taylor dies durch Aussagen wie: "Ein neues Slipknot-Album ist das allerletzte, was ich momentan im Sinn habe". Das dritte Album "Audio Secrecy" (seit Freitag erhältlich) könnte den Amerikanern tatsächlich den Weg nach ganz oben ebnen. Eingeläutet wird Album Nummer drei nicht wie bei den Vorgängern mit aggressiven Gitarren, sondern klassisch mit einem pianistischen Intro. Anschließend folgt "Mission Statement", die erste Uptempo-Nummer, welche speziell im Refrain durch den Mix aus Gesang und Riff besticht. Der vierte Track des Albums, "Say You'll Haunt Me", ist gleichzeitig auch die erste Single-Auskoppelung und ein Garant für eine hohe Chartposition - zumindest in den USA. Nach einem kurzen Trommelwirbel sorgen hier klare, unverzerrte Gitarren für Melodie. Darüber hinaus hat der Refrain Ohrwurmcharakter!  

Insgesamt ist das 14 Tracks (als Digipack sogar 17) umfassende Album das bisher zugänglichste in der noch ausbaufähigen Diskographie Stone Sours. Weder eingefleischte Anhänger straighter, erdiger Hardrock-Musik, noch Fans von mit Balladen und Slow-Rock-Nummern bestückten Alben kommen bei "Audio Secrecy" zu kurz. Vier vom strukturellen Gesichtspunkt betrachtet komplett unterschiedliche Balladen nehmen an der gut einstündigen Spielzeit Anteil. "Hesitate" könnte dabei sogar von Softrockveteranen wie Nickelback stammen, wohingegen Corey Taylor das natürlich anders sieht und für ihn das stetige Wachsen seiner Band im Vergleich zur Mehrheit nicht oberste Priorität zu haben scheint, wie er gegenüber Metal Hammer erklärt: "Ich will am nächsten Tag noch in den Spiegel gucken können. Ich bin nicht Chad Kroeger." Womit er Recht hat, denn schließlich - und das glaubt man kaum wenn man es nicht weiß - fand einst auch Nickelback seinen Ursprung im klassischen Hard Rock!

Fazit: Stone Sour sind anno 2010 noch längst nicht am Ziel und werden sich in Zukunft noch weiter entwickeln. Das neue Album ist nicht nur ein Glücksfall, sondern das Resultat einer bemerkenswerten Entwicklung. Sofern es die Musikindustrie mit ihren überkommerziellen Strukturen irgendwann zulässt, wird diese Band zu den ganz großen gehören, gerade weil in absehbarer Zeit die Generation Stadien füllender Altmeister (Metallica, Iron Maiden, Bruce Springsteen) abdanken wird. Stone Sour hätte diesen Erfolg verdient!

 

 "Audio Secrecy" hier in voller Länge anhören! 

Jannik Scheer

Moderator