radio96acht Bonn : Der UN-Sicherheitsrat in Bonn
20.06.2012
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Der UN-Sicherheitsrat in Bonn


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In der "formal debate" darf nur der sprechen, der vom Komiteevorsitzenden, dem "Chair" dazu aufgefordert wurde. Wer sprechen möchte, hebt das Schild mit der Aufschrift seines Landes.

Vier Tage ist es her, das auch die UNO nach zwei Monaten in Syrien den Glauben an eine politische Lösung des Konfliktes verloren zu haben scheint: Die Beobachtungsmission, die die brüchige Waffenruhe vom 12. April sichern sollte, ist wegen der akuten Gefährdung der 300 UN-Beobachter angesichts der andauernd eskalierenden Gewalt eingestellt worden. Vorerst zumindest.
Ein Aspekt aber geht in den Meldungen über Massaker, Diskussionen über Interventionen um das Scheitern des Friedensplanes beinahe unter: In Syrien steigen die Flüchtlingszahlen. Zehntausende sind mittlerweile in die Nachbarländer Türkei, Libanon, Jordanien und Irak geflohen.

Verhandlungen in Bonn


Vor diesem Hintergrund tagt heute Abend der UN-Sicherheitsrat zur Flüchtlingskrise – diesmal allerdings nicht in New York, sondern in Bonn: Bonner Studenten vertreten als Delegierte die fünf ständigen Mitglieder und Vetomächte, sowie fünf aktuelle nichtständige Mitglieder des wichtigsten UN-Gremiums. Sie wollen eine Lösung für Probleme finden, an denen die Vertreter der Länder in der Realität bislang gescheitert sind.

Eine Initiative mit dem Vorbild der Vereinten Nationen


Das Projekt ist bereits die zweite kleine Monatssimulation, mit der die Bonner Studenteninitiative BIMUN, alle Interessierten auf die im Mittelpunkt stehende jährliche mehrtägige Konferenz im Dezember vorbereiten möchte. BIMUN, das steht für „Bonn International Model United Nations“. Die Idee solcher Model United Nations-Konferenzen, kurz MUNs, geht auf in den 1920er Jahren an Colleges in den USA entstandene Simulationen der Organe des UNO-Vorläufers Völkerbund zurück. Mittlerweile sind die Konferenzen für Schüler und Studenten weltweit verbreitet, allein in Deutschland sind es jedes Jahr 32, die je nach Größe bis zu einer Woche dauern.

Das MUN-Projekt

Ähnlich wie die heutige Monatssimulation, nur viel größer, funktionieren die MUNs: Studenten vertreten die verschiedenen Länder, allerdings in mehreren Komitees der UNO. Zum Beispiel dem Umweltprogramm UNEP, UNESCO oder wie heute dem UN-Sicherheitsrat. Sie müssen trotz unterschiedlicher Interessen eine gemeinsame Lösung für komplexe politische Probleme finden. Im Vordergrund steht aber der kulturelle Austausch: Jeder Teilnehmer übernimmt die Rolle des Vertreters eines fremden Landes, und muss deshalb Verständnis für die Situation und  Probleme anderer Völker und Kulturen entwickeln. Interessant wird es, wenn man tatsächlich auf Studenten stößt, die aus diesem Land kommen, denn da die Konferenzen international ausgeschrieben werden, trifft man nicht selten auf Kommilitonen aus Afghanistan, den USA oder China. Die Verständigung wird durch die Amtssprache der Konferenzen erleichtet: Sie ist wie beim Vorbild Englisch.

Eine Debatte mit Hindernissen


Für eine gute Debatte ist natürlich einen gute inhaltliche Vorbereitung wichtig. Aber auch der formale Ablauf bereitet einige Schwierigkeiten: Denn die Regeln, nach denen debattiert wird, folgen den Richtlinien, die für die Abgeordneten im wirklichen Leben gelten, und die sind am Anfang nicht ganz einfach zu verstehen.
Mit diesen formalen Abläufen bereitet BIMUN die Studenten mit den Monatssimulationen vor: Wer also Lust hat, mitzudiskutieren, kann sich als Delegierte der noch bislang nicht vertretenen Länder Aserbaidschan, Togo, Kolumbien, Portugal oder Süd-Afrika versuchen. Wer sich das Ganze vielleicht erst einmal anschauen möchte, kann sich aber auch einfach dazusetzten und als Observer die Debatte verfolgen. Beginn ist um 20:15 Uhr in der Königsstraße 88.

Jonas Seesing

Reporter

Bild-Credits:
1. Artikelbild:
Sarah Nilius
Superteaser:
Sarah Nilius
Vorschau:
BIMUN/SINUB e.V.