Twittern in der Vorlesung
Hans-Jürgen Bucher (58), Medienwissenschaftsprofessor an der Uni Trier, geht neue Wege in Sachen Gestaltung der Lehre. In seinen Vorlesungen sind SMS und Twitter-Kommentare nicht verboten, sondern sogar ausdrücklich erwünscht. Denn Professor Bucher hat eine „Twitterwall“. Bei ihm stellen die Studierenden ihre Frage über SMS oder den Kurzmitteilungsdienst. Diese werden anonymisiert und auf eine Leinwand geworfen. Der Professor bezieht die die gestellten Nachfragen dann immer wieder in seine Vorlesung mit ein.
Vorlesung als Dialog
Bucher versucht mit dieser Methode das Monologkonzept der Vorlesung aufzubrechen und in Richtung Dialog zu führen. „Mit den digitalen Medien können sich die Studenten direkt in die Vorlesung einbringen“, sagt der Medienwissenschaftler. Besonders sinnvoll erscheint das Konzept für Studierende, die zu schüchtern wären ihre Fragen während der Vorlesung direkt an den Professor zu stellen. Die Twitterwall selbst ist eigens von den Medienwissenschaftlern der Universität Trier erdacht und entwickelt worden. Die SMS und die Kurznachrichten werden einfach über einen Beamer auf eine Leinwand projiziert.
Gefahren der Anonymität
Doch dieser neue, digitale Weg der Vorlesungsgestaltung birgt auch Risiken. „Man gibt ein Stück Macht auf, da man einen ganzen anderen Kommunikationskanal eröffnet,“ beschreibt Professor Bucher selbst die Probleme seiner Methode. „Es gab auch schon persönliche Verabredungen und Liebeserklärungen auf der Twitterwall.“ Mit der Anonymität fällt nun eben auch die Hemmschwelle für die Beitragsverfasser und die Kontrolle gestaltet sich ebenfalls als schwierig. Ein Phänomen, was sich im Internet (zum Beispiel in Foren) schon seit längerem beobachten lässt.
Dennoch sind die Medienwissenschaftler der Uni Trier davon überzeugt, dass ihr Konzept auch in andere Fachbereiche übertragbar ist. „Im Vortrag sind so auch kritische Fragen möglich, und der technische Aufwand ist eher gering,“ analysiert Philipp Niemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts.
Ob dieses neue Modell nun Schule macht oder nicht, es ist zumindest ein ungewöhnlich neuer Versuch des informativen Diskurses in der Vorlesung.
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Uni Bonn
Vorschau:
Maximilian Moll


